Der Flachdachaufbau im Detail: Komplexer als Sie denken

Ein Flachdach sieht auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär aus, jedenfalls viel weniger als etwa ein Mansarddach. Dennoch steckt einiges drin im Flachdach, vor allem im schichtweisen Aufbau dieser besonderen Dachart. Das Besondere ist, dass durch die fehlende, bzw. nur sehr geringe Neigung besondere Ansprüche an den Dachaufbau des Flachdachs bestehen. Unser 11880.com-Dachdecker-Ratgeber beschreibt Ihnen, wie der Dachaufbau des Flachdachs beschaffen ist und welche Funktion die einzelnen Schichten des Flachdachs haben.

Typisch Flachdach

flachdach material
© peuceta - istockphotos.com

Auf dem Weg dorthin, also in die einzelnen Schichten des Flachdachs und deren Funktionen, stellen wir Ihnen vorher das Flachdach als Ganzes vor. Wurden Flachdächer früher nur mit dem Charme von Industrie- oder Bürogebäuden assoziiert, haben Sie sich in den letzten Jahren auch mehr Beliebtheit auf Wohnhäusern erfreut. Sie sind zudem recht praktisch, leicht zu pflegen, je nach Ausführung begehbar und stellen die wohl beste Voraussetzung zur Dachbegrünung dar.

Grundsätzliches beim Aufbau

Auch wenn man es nicht jedem Flachdach ansieht, es muss aus bautechnischer Sicht ein Gefälle von wenigstens 3° haben, damit Wasser nicht auf dem Dach stehen bleibt und gefriert, und damit sich kein unerwünschter Pflanzenwuchs, zum Beispiel mit Algen, bildet. Gleichzeitig ist der Dachaufbau von Flachdächern sehr anspruchsvoll und sensibel, vor allem im Hinblick auf die Dachabdichtung, die Feuchtigkeit vom Inneren des Daches abhalten soll. Dazu gibt es zwei unterschiedliche Ausführungen, das belüftete und das nicht belüftete Flachdach, auch Kaltdach, bzw. Warmdach genannt.

Dachaufbau Flachdach am Beispiel Warmdach

Diese beiden Ausführungen des Flachdaches sehen wir uns genauer, bzw. Schicht für Schicht an, denn hier erhalten wir interessanten Aufschluss über den Dachaufbau des Flachdachs (von unten nach oben):

  • Untergrund, Decke des Gebäudes
  • Gefällestrich, um das gewünschte Gefälle zu erreichen
  • Tragkonstruktion für bessere Haltefähigkeit, Lasten tragen, Schall- und Brandschutz
  • Trennschichten zum Trennen unverträglicher Werkstoffe
  • Voranstrich
  • Dampfsperre gegen Eindringen von Wasserdampf in die Wärmedämmung
  • Dachdämmung
  • erste Abdichtungslage
  • zweite Abdichtungslage

Dachaufbau Flachdach

Sonderform Umkehrdach

Eine Sonderform des Warmdachs ist das Umkehrdach. Es bietet bei fachkundiger Ausführung Vorteile gegenüber dem normalen Warmdach. So fällt die Notwendigkeit für eine Dampfsperre weg. Bei Gründächern wird keine zusätzliche Schutzschicht benötigt, die Dämmschicht des Umkehrdaches, die hier weit oben liegt, schützt auch vor mechanischen Einflüssen auf das Flachdach und verhindert die hochgelegene Dämmschicht vor Feuchtigkeit und Blasenbildung. So ist das Umkehrdach Schicht für Schicht aufgebaut:

  • Untergrund, Decke des Gebäudes
  • Voranstrich mit Bitumen
  • Abdichtung, erste Lage
  • Abdichtung, zweite Lage, Polymerbitumenbahn
  • Dachdämmung (aus PS Hartschaum)
  • Filtervlies
  • Oberflächenschutz

Dachaufbau Flachdach am Beispiel Kaltdach

Im Wesentlichen ähnlich aufgebaut, doch mit dem einen, besonderen Unterschied ist das Kaltdach, das mit einer zusätzlichen Belüftungsschicht ausgestattet wird (von unten nach oben):

  • Untergrund, Decke des Gebäudes
  • Gefällestrich, um das gewünschte Gefälle zu erreichen
  • Tragkonstruktion für bessere Haltefähigkeit, Lasten tragen, Schall- und Brandschutz
  • Trennschichten zum Trennen unverträglicher Werkstoffe
  • Voranstrich
  • Dampfsperre gegen Eindringen von Wasserdampf in die Wärmedämmung
  • Dachdämmung
  • Feuchtigkeitsschutz für Dämmschicht
  • Lüftungsschicht, durch die Luft nach außen abgegeben wird
  • Trennschicht
  • Dachabdichtung (Bitumen oder Kunststoff)
  • Kiesschutzschicht, Platten oder Dachbegrünung

Warum Kaltdach?

Ein gut funktionierendes Kaltdach bietet Ihnen einen besseren Schutz vor Hitze im Sommer und sorgt für einen besseren Abtransport von Wasserdampf aus dem Gebäudeinneren. Dies funktioniert allerdings nur dann gut, wenn die Luft auch guten Zugang zur entsprechenden, oben aufgeführten, Lüftungsschicht Zugang finden kann. Eventuelle Hindernisse hierbei sind ausgedehnte Dämmschichten, Pflanzen im Außenbereich, andere Lüftungen oder Träger, die quer zur Lüftungsebene verlaufen.

Grünes Flachdach

Eine weitere Form des Flachdaches zeigt ihre Charakteristik nicht inmitten der Dachschichten, sondern oben drauf. Sofort zu erkennen ist dieses besondere Flachdach, das Gründach an der biologischen, obersten Schicht. Die Dachbegrünung ist vielen heutigen Besitzern von Gebäuden ein Anliegen, denn Gründächer sind ökologisch, können als Dachgarten genutzt werden, verbessern die thermischen Verhältnisse unter dem Dach, sowie auch den Schallschutz. So sind Gründächer in der Regel aufgebaut (von unten nach oben):

  • Untergrund (Gebäudedecke)
  • Voranstrich
  • Dampfsperre
  • Dämmung
  • erste Abdichtungsschicht
  • zweite Abdichtungsschicht (wurzelfest)
  • Dränageschicht
  • Systemfilter
  • Vegetationsschicht
  • Dachbegrünung

Kies auf dem Flachdach?

Aus welchen der hier aufgeführten Schichten auch immer ein Flachdach zusammengesetzt ist, es gibt eine ganz charakteristische Schicht, die für eine Zeit lang weit verbreitet auf deutschen Flachdächern war: die Kiesschicht. Können auch Sie sich gut Kies auf dem Flachdach vorstellen? Ist das noch zeitgemäß? Ist Kies auf dem Flachdach überhaupt sinnvoll? Eher nicht, wenn Sie sich vorstellen, dass Kies das Dach zwar vor Frost und UV-Strahlung schützen soll, gleichzeitig aber einige gravierende Nachteile mit sich bringt. Dem Gewicht der Kiesschicht muss die Dachkonstruktion deutlich Rechnung tragen. Löcher und Schäden im Dach lassen sich nur schwer auffinden und die Dachentwässerung ist erschwert. Hinzu kommt, dass moderne Dachbahnen den Schutz vor Frost und UV-Strahlen ebenfalls schon sehr zuverlässig besorgen können.


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